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Streit der Schulen: Mensa im PZ? Drucken E-Mail
Montag, den 26. Januar 2009 um 11:20 Uhr

Mit großer Sorge blickt Pro Coesfeld auf einen Streit, der Schüler, Eltern und Lehrer der drei am Schulzentrum vereinten Schulen erfasst hat und das bisher friedliche Miteinander zu gefährden droht. Eine weitere Eskalation sollte im Interesse der Schülerinnen und Schüler unbedingt vermieden werden; allerdings hätte es nach Auffassung von Pro Coesfeld gar nicht erst zu der jetzigen Zuspitzung kommen müssen, wenn die Verwaltung die konkreten Bauplanungen sehr viel frühzeitiger vorgelegt und nach ausreichender Diskussion ein Votum aller beteiligten Gruppen eingeholt hätte.

Aber worum geht es bei dieser Debatte überhaupt? Hier noch einmal kurz die Hintergründe:

Warum eigentlich eine Mensa?

Der Gesetzgeber hat die Schulträger dazu verpflichtet, Schüler der Klassen 5 bis 10 ab dem 1. Februar 2009 mit einem Mittagessen zu versorgen. (Diese Frist hat die Stadt Coesfeld offensichtlich nicht eingehalten.) Das ist keine willkürliche Anordnung, sondern hängt mit der zunehmenden Verlagerung von Unterricht auf den Nachmittag zusammen, beim Gymnasium zum Beispiel wegen der Verkürzung der Schulzeit von neun auf acht Jahre. Die Theodor-Heuss-Realschule hat sich sogar für den gebundenen Ganztagsunterricht ab 2010/11 entschieden, ihr gesamtes Schulkonzept hängt also jetzt von einer verlässlichen Übermittagsbetreuung ab. Eine Lösung muss deshalb her, kann aber nur gelingen, wenn alle Gruppen aller drei Schulen gemeinsam zu einer Einigung kommen.

Die drei beteiligten Schulen sind mittlerweile aufgerufen, in einer Arbeitsgruppe ein neues Lösungskonzept zu entwickeln, das den Interessen aller drei Schulen gerecht wird. Pro Coesfeld hat der Einberufung dieser Arbeitsgruppe ausdrücklich zugestimmt.

Das PZ

Mit etwas Zeit und gutem Willen hätte man schon längst eine ganze Reihe von Lösungen prüfen und zur Diskussion stellen können - im Schulzentrum, aber auch außerhalb. Die Planungen der Verwaltung gingen aber von Anfang an in eine ganz bestimmte Richtung: Das sog. PZ, das Pädagogische Zentrum, Aula und Theater des Schulzentrums, sollte eilends zur Mensa umgebaut werden. Kein Problem für die Theodor-Heuss- und die Anne-Franck-Schule, die 50 Prozent der Schüler stellen, das PZ nur gelegentlich nutzen und diese Lösung von Anfang an favorisierten. Ein Desaster allerdings aus Sicht der Nepomucener (ebenfalls 50 Prozent), die das PZ regelmäßig als Veranstaltungs- und Theaterraum und mit dem Schulfach „Darstellen und Gestalten" auch als wichtigen Unterrichtsort nutzen - die Rede ist von rund 160 Terminen pro Jahr. Für das Nepomucenum ist ein funktionstüchtiges PZ offenbar ein wichtiger Bestandteil des eigenen pädagogischen Profils (so wie für die Realschule bald der gebundene Ganztag) - und mit ihrem jeweiligen Profil stehen die Coesfelder Schulen heutzutage im harten Wettbewerb auch gegen Schulen der Nachbargemeinden. Die Einwände der Gymnasiasten erscheinen vor diesem Hintergrund nachvollziehbar: Auch eine (nicht schalldichte) Trennwand vor der Bühne macht diese während der Essens- und Kochzeiten, also wohl für Stunden unbenutzbar, und ob die Mensamöbel im Alltagsbetrieb tatsächlich ständig herein- und herausgetragen und gegen die Theaterbestuhlung ausgetauscht werden können, erscheint zumindest äußerst zweifelhaft.

Kompromiss des Bürgermeisters?

Wenn sich zwei Nutzungen ein und desselben Raumes praktisch ausschließen, kommt eigentlich nur ein völlig anderes Modell infrage - ein Kompromiss am gleichen Ort ist ja dann kaum denkbar. Schülern, Eltern und Lehrern war das vermutlich rasch klar - nicht aber Bürgermeister Öhmann, der die Sorgen der Betroffenen und die gesamte Diskussion eher mit Unverständnis aufnahm. Sein vollmundig in der Presse angekündigter Kompromissvorschlag (den er den Schülern freilich nicht vortragen mochte; 300 Schülerinnen und Schüler warteten bei einer Demonstration vergeblich auf einen Bürgermeister, der unauffällig an ihnen vorbeihuschte und im Rathaus verschwand) - dieser Kompromissvorschlag war denn auch gar keiner: Alles soll so bleiben wie geplant, nur die Küche wird etwas kleiner, und nach einigen Jahren sieht man dann weiter ...

Positionsbestimmung Pro Coesfeld

Sollte das wirklich ernst gemeint sein? Pro Coesfeld befürchtet leider das Schlimmste, deshalb in aller Kürze folgende Positionsbestimmung:

  1. Der Stadt Coesfeld sollten alle drei Schulen gleichermaßen am Herzen liegen. Keiner Schule stehen Sonderrechte zu, es darf aber auch keine Schule gegenüber den anderen ins Hintertreffen geraten. Das sind wir allen Schülern schuldig - egal, welche Einrichtung sie besuchen.

  2. Was die Mensa betrifft, benötigt die Theodor-Heuss-Schule ab 2010/11 zwingend eine solide und verlässliche Lösung - ansonsten wäre das neue Schulkonzept gefährdet. Die Nepomucener bräuchten sogar ab sofort eine Lösung für das Problem der Mittagsversorgung, sie könnten aber vermutlich mit einer Übergangslösung leben, wenn diese den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht wird.

  3. Die sehr entschieden von beiden Seiten vorgetragenen Argumente lassen eine einvernehmliche Lösung am Standort „PZ" als relativ aussichtslos erscheinen. Zudem leuchtet ein, dass mit dem Zugewinn einer gemeinsamen Mensa niemandem etwas genommen werden sollte, das offenbar für die Identität seiner Schule und deren pädagogische Arbeit von großer Bedeutung ist; nach den Beteuerungen von Schülern, Lehrern und Eltern des Gymnasiums ist offenbar gerade das PZ ein solcher Ort.

  4. Die räumliche Situation am Nepomucenum ist noch auf Jahre hinaus äußerst beengt; insgesamt besteht aber kein Zweifel, dass bei rückläufigen Schülerzahlen mittelfristig am Schulzentrum zusätzliche Räumlichkeiten frei werden, die sich durchaus für einen dauerhaften Mensabetrieb ausbauen ließen. Heute zunächst gute Übergangslösungen ins Auge zu fassen ist also keineswegs abwegig.

  5. Den Lösungsvorschlag des Bürgermeisters, das PZ zunächst zur Mensa umzugestalten und lediglich die Küche kleiner zu halten, um dann bei veränderter Raumsituation nach einigen Jahren eine komplett neue bauliche Lösung zu suchen, halten wir schon im Ansatz für verfehlt. Wozu sollte man 260.000 Euro in einen Umbau investieren, den man nur wenige Jahre benötigt und dann wieder zurückbauen möchte - zumal für die „endgültige" Lösung ebenfalls erhebliche Mittel aus Steuergeldern anfallen dürften? Wohin zum Beispiel mit einer teuren Lärmschutzwand, die dann niemand mehr benötigt? Und was nützt es ganzen Schülergenerationen, deren Schulzeit ja nicht ewig dauert, wenn sie jahrelang erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen sollen? Oder soll das Provisorium am Ende gar zum Dauerzustand werden? Den ins Spiel gebrachten „Kompromiss" halten wir daher nicht für sachgerecht, und er ist auch, was den Umgang mit Steuergeldern betrifft, kaum zu rechtfertigen - unabhängig von eventuellen Förderzusagen.

  6. Wegen des - absehbaren - Rückgangs der Schülerzahlen ist umgehend eine mittelfristige Planung für einen dauerhaften Mensabetrieb innerhalb des Schulzentrums, allerdings nicht im Umfeld des PZ, durchzuführen. Für diese Übergangszeit hat die Stadt verschiedene gute und zumutbare Alternativen auszuloten. Unseres Erachtens spricht dabei viel für eine Nutzung der Stadt- bzw. Bürgerhalle. Käme man dort zu einer Einigung, wäre allen geholfen: Der vielgelobte Trägerverein, dessen Engagement die Stadthalle überhaupt erst gerettet hat, könnte von einer regelmäßigen Auslastung profitieren; möglicherweise ließen sich ja sogar andere Vereine und Einrichtungen aus Coesfeld mit einbeziehen, sodass dieses Projekt auf einer breiten Grundlage ruhte. Die Kosten für die Stadt dürften bei einer solchen Lösung nicht annähernd an die Umbaukosten heranreichen; zudem könnte der Schulträger auf diese Weise Erfahrungen mit einer Mittagsversorgung und dem tatsächlichen Bedarf sammeln - Erfahrungen, die dem späteren Ausbau zugute kämen. Und für die Schülerinnen und Schüler dürfte der kurze Fußweg bis zur Bürgerhalle nicht nur zumutbar und ungefährlich sein, er böte ihnen vermutlich sogar eine sehr willkommene Abwechslung nach dem langen Stillsitzen im Unterricht.

Natürlich bleibt das Ergebnis der Beratungen in der Arbeitsgruppe abzuwarten; dennoch sollte die Verwaltung nach Ansicht von Pro Coesfeld bereits jetzt den Kontakt zu den Betreibern der Bürgerhalle aufnehmen und ernsthafte Vorgespräche führen.

 

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